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Bestimmte Krankheiten und Medikamente erhöhen bereits bei Kindern das Osteoporoserisiko

Aktualisiert: 6. Juni

Osteoporose, gekennzeichnet durch brüchige Knochen, gilt als eine Krankheit in den späteren Lebensjahren. Doch auch Kinder können erhöhtes Risiko für Knochenbrüche haben, wenn sie u.a. bestimmte Medikamente einnehmen oder unter bestimmten chronischen Krankheiten leiden. Zudem beeinflussen Ernährung und Bewegung die Knochengesundheit bei Kindern.


„Ein niedriger Knochenmineralgehalt oder eine niedrige Knochendichte können zu Osteoporose führen. Betroffene Kinder leiden oft unter Knochenschmerzen und müssen ohne Behandlung oft deutlich mehr Knochenbrüche erleben als andere Kinder in ihrem Alter. Auch wenn die Kinder sonst gesund sind, können zwei oder mehr Knochenbrüche auf Stoffwechselprobleme hinweisen“, erklärt Univ. Prof.in Dr.in Gabriele Hartmann (vormals Haeusler), die Mitglied der Arbeitsgruppe Endokrinologie und Diabetologie der Österreichischen Gesellschaft (ÖGKJ) ist und die Abteilung Endokrinologie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien leitet.


Zu Osteoporose neigen u.a. Kinder mit einer Zuckererkrankung, mit einer Schilddrüsenüberfunktion, mit einer entzündlichen Darmerkrankung, Leukämie und juveniler idiopathischer Arthritis. Medikamente gegen Krämpfe bzw. Epilepsie (Anitkonvulsiva), Kortison (Glucocorticoide) und Chemotherapie wirken sich ebenso negativ auf die Knochengesundheit aus. Eine seltene erbliche Form der Osteoporose ist die Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta). Der Körper kann bei dieser angeborenen Krankheit das Bindegewebe der Knochen nicht richtig aufbauen, sodass sich diese leicht verbiegen und schnell brechen.


Bei Essstörungen wie Magersucht können sich die Knochen aufgrund von fehlenden Nährstoffen nicht optimal entwickeln. Anspruchsvolles Sporttraining, kombiniert mit einer reduzierten Kalorienaufnahme, kann sich gleichermaßen negativ auswirken. Lange Bettlägerigkeit bzw. Immobilität gehören zu den Wegbereitern für Osteoporose in jungen Jahren, da Muskeln kaum Reize für das Knochenwachstum abgeben. „Die Knochenstärke wird durch die Muskelkraft mitreguliert. Ein Mangel an Muskelspannung verringert die biomechanische Knochenbelastung, sodass die Knochenzellen, die Osteozyten, dünnere, lange Röhrenknochen mit weniger Knochenbälkchen, sogenannte Trabekel, im Inneren des Knochens bilden“, verdeutlicht Univ. Prof.in Dr.in Hartmann, die an der Ambulanz für Pädiatrische Endokrinologie und Osteologie tätig ist, das Teil des „Vienna Bone and Growth Center“ ist und sich mit der Diagnostik und Behandlung von Knochenerkrankungen befasst.


Bei

Kindern und Jugendlichen mit erhöhtem Risiko sollten Eltern und Kinder- und Jugendärzte die Knochengesundheit im Auge behalten. In jungen Jahren können Gegenmaßnahmen den Aufbau von Knochenmasse und die Gesundheit des Bewegungsapparates deutlich verbessern. Unterstützend sollte auf eine angemessene Ernährung geachtet werden, die für ausreichenden Kalzium- sowie Vitamin-D-Zufuhr sorgt, und Bewegung gefördert werden. Bei der Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit) kommt z.B. Ganzkörpervibrationstraining zum Einsatz. Kinder und Jugendliche mit Osteoporose betreut idealerweise ein multidisziplinäres Team, u.a. mit pädiatrisch-internistischen sowie kinderorthopädischen Expertinnen/Experten.


Knochen früh stärken

Die Kindheit ist ein kritischer Zeitraum für die Knochenbildung, denn ein Großteil der Knochenstärke bzw. –dichte wird in den ersten zwanzig Lebensjahren gebildet. Körperliche Aktivität fördert die Knochenentwicklung, während sitzendes Verhalten diese negativ beeinflusst. Für das Knochenwachstum ist zudem eine ausreichende Kalzium-Zufuhr in Kombination mit Vitamin D wichtig. Milch ist neben grünem Gemüse wie Brokkoli und Grünkohl ein guter Kalziumlieferant. Vitamin D bildet der Körper zu 80% bis 90% selbst mithilfe von Sonnenlicht, das auf die Haut gelangt. Die Ernährung trägt nur circa 10% bis 20% zur Vitamin-D-Versorgung bei (zum Beispiel fetter Seefisch).

Frau Univ. Prof.in Dr.in Gabriele Hartmann (vormals Haeusler) und Herr Dr. Adalbert Raimann (Erstautor) haben in der Fachzeitschrift „Journal für Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel" einen Artikel zum Thema „Osteoporose im Kindes- und Jugendalter" veröffentlicht.


Quellen: J. Klin Endokrinol Stoffw, Eur J Pediatr. (1, 2), Pediatr Rheumatol Online J., MDText.com, Ther Adv Musculoskel Dis

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