Rückenschmerzen: Kieferprobleme können Ursache sein

Menschen, die häufig an Nackenschmerzen leiden, kann womöglich ein Besuch bei einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt helfen. Denn Ursache für manche Rückenschmerzen können eine Funktionsstörung der Kiefergelenke sein. Darauf weist die Bundeszahnärztekammer hin.


Mehr Frauen als Männer betroffen

Wie das Universitätsklinikum Heidelberg auf seiner Webseite erklärt, werden unter CMD alle schmerzhaften und nicht schmerzhaften Beschwerden zusammengefasst, die auf strukturelle, funktionelle, biochemische und psychische Fehlregulation der Muskel- und/oder Kiefergelenksfunktion zurückzuführen sind.

Die CMD ist eine durchaus häufige Erkrankung: Schätzungen zufolge leiden rund 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen CMD, wobei mehr Frauen als Männer betroffen sind.



Während früher von einer reinen Kieferfehlstellung und Funktionsstörung des Kausystems ausgegangen wurde, weiß man laut dem Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) heute, dass eine Vielzahl von Faktoren beteiligt ist.


Wer unter den folgenden Symptomen leidet, sollte auch an eine CMD denken:

  • Schmerzen in den Kaumuskeln oder den Kiefergelenken (Kieferschmerzen)

  • Zahnschmerzen

  • Bewegungseinschränkungen des Unterkiefers

  • Knacken, Knirschen oder Reiben im Kiefergelenk

  • teilweise auch Kopf-, Nacken- und/oder Rückenschmerzen

  • Tinnitus

Nicht selten haben Patientinnen und Patienten eine längere Leidensgeschichte hinter sich, bevor das Krankheitsbild richtig eingeordnet wird. Dabei kommt der Physiotherapie in Zusammenarbeit mit den ärztlichen Disziplinen eine besondere Bedeutung zu.

Verschiedene Ursachen

Den Angaben zufolge werden die Ursachen für das Beschwerdebild in drei Gruppen eingeteilt. So können die knöchernen, anatomischen Strukturen im Mund-Kieferbereich Ursache für die individuellen Beschwerden sein beziehungsweise dazu beitragen.

Verletzungen oder auch eine angeborene Fehlanlage der Kieferknochen zählen ebenso dazu wie Zahnfehlstellungen – oder gegebenenfalls auch unerwünschte Auswirkungen von Zahnentfernungen und -füllungen.


Wenn der Fokus auf den funktionellen Aspekt gelegt wird, stehen Veränderungen des neuromuskulären Zusammenspiels im Mittelpunkt. Zähneknirschen (Bruxismus), Zähnepressen und Wangenbeißen können ebenso daran beteiligt sein wie zum Beispiel Kaugummikauen.


Nicht zuletzt können auch statische Veränderungen in der Körperhaltung eine Rolle spielen, bei der sich biomechanische Hebelwirkungen ungünstig auswirken können.

Die Psyche darf bei der Ursachenfindung ebenfalls nicht vergessen werden. Auch Stress gilt als eine Ursache oder ein Puzzleteil im Gesamtbild.


Vielzahl an Therapiemethoden

In der Behandlung und Therapie kann die Zusammenarbeit mit Kieferorthopädinnen oder Kieferorthopäden erforderlich sein, beispielsweise wenn eine Versorgung mit einer Kieferschiene notwendig ist.

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten kennen eine Vielzahl an Therapiemethoden, die effektiv dazu beitragen, Funktionsstörungen zu beheben und Schmerzen zu lindern. Die Therapie wird individuell auf die Patientin oder den Patienten abgestimmt und richtet sich nach den jeweiligen Symptomen.

Dem oder der Behandelnden stehen dabei eine Vielzahl an therapeutischen Techniken zur Verfügung. Entsprechend dem individuellen Krankheitsbild finden zum Beispiel funktionelle Übungsbehandlungen der Physiotherapie Anwendung wie etwa krankengymnastische Übungen.

Dabei wird über passive Weichteiltechniken sowie Muskelentspannungs- und Massagetechniken ein Reiz auf die Muskulatur ausgeübt, der eine Mehrdurchblutung und Senkung der Muskelspannung zur Folge hat.


Doch auch die manuelle Therapie mit ihren passiven Mobilisationstechniken am Kiefergelenk wird erfolgreich eingesetzt. Dabei wird auf das Kiefergelenk ein äußerer Reiz ausgeübt, der im Zielgewebe eine Reaktion hervorruft. Hierdurch kann eine Verbesserung der Stoffwechsellagen (verbesserte Durchblutung und Heilungstendenz, erhöhte Elastizität des Gewebes, reduzierte Muskelspannung, Schwellungsabbau und Förderung der Regeneration) und letztendlich eine Schmerzreduktion erreicht werden.

Und auch die PNF-Therapie (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation), die bei Patientinnen und Patienten mit gestörten natürlichen Bewegungsabläufen eingesetzt wird, die physikalische Therapie in Form von Kälte- oder Wärmeanwendungen oder auch Ultraschall sind weitere Therapiemöglichkeiten.


Eigenübungen für zu Hause

„Der Therapeut entscheidet nach dem individuellen Befund, welche physiotherapeutischen Techniken oder eine Kombination davon eingesetzt werden sollten, um die größtmögliche Besserung zu erzielen“, so Repschläger.

Wenn die Ursache im Mund-Kieferbereich liegt, kann der Zahnarzt beziehungsweise die Zahnärztin oder der Kieferorthopäde beziehungsweise die Kieferorthopädin Physiotherapie verordnen. Bei Problemen im Bereich der Wirbelsäule ist die Hausärztin beziehungsweise der Hausarzt oder die Orthopädin beziehungsweise der Orthopäde zuständig.

Als weitere Säule der Therapie leitet die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut auch Eigenübungen für zu Hause an. „Um den Therapieerfolg langfristig zu sichern, sollten Mobilisations- und andere physiologische Bewegungen zur Schmerzreduktion in den Alltag eingebaut werden“, empfiehlt Repschläger.


„Mit Physiotherapie und konsequenten Eigenübungen kann der Patient auch nach einer länger andauernden Beschwerdelage eine deutliche Verbesserung erzielen.“ (ad)