• Physiotherapie Katja Sonntag

Babys: Hüft-Fehlstellungen durch "Pucken"?


Wickeltechnik könnte gesunde Entwicklung der Hüfte gefährden

(Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, 06.06.2016)

Eng umwickelt: Das sogenannte Pucken von Babys könnte Medizinern zufolge bei den Kindern das Risiko für Fehlstellungen der Hüfte erhöhen. Die Experten bringen die steigende Zahl von Hüftdysplasie-Fällen in Australien mit der beliebten Wickeltechnik in Verbindung. Demnach hemme das feste Einwickeln in Tücher oder Decken das Wachstum der Hüfte und störe damit den normalen Reifungsprozess.

Babys eng in Tücher oder Decken einzuwickeln, liegt im Trend. Das sogenannte "Pucken" soll Säuglinge be ruhigen und ihnen beim Einschlafen helfen.Denn – so einer der Hintergedanken – es vermittelt ihnen die Enge, die sie noch aus der wohligen Gemütlichkeit im Mutterleib kennen. Doch während viele Hebammen und Eltern auf diese Wickeltechnik schwören, haben Kinderärzte Bedenken: Mit dem Pucken seien gesundheitliche Risiken verbunden.

Wissenschaftler um Tamara Seidl von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin warnen nun, dass das feste Umwickeln der Babys unter anderem zu einer Zunahme von Hüft-Fehlstellungen führen könnte. "Beim klassischen Pucken werden die Beine in Streckstellung aneinander gebunden", erläutert die Ärztin. "Dabei wirken Kräfte, die das Wachstum der Hüfte verändern und verlangsamen."

Hüftreifestörungen nehmen zu

Aktuell veröffentlichte Zahlen aus Australien bestätigen den Forschern zufolge diese Befürchtung. Demnach zeigen die Daten im Vergleich zu früheren Erhebungen aus den Jahren 1988 bis 2003 eine Verdreifachung der nach dem dritten Lebensmonat diagnostizierten Hüftdysplasie-Fälle – eine Fehlstellung, bei der Gelenkkopf und -pfanne nicht aufeinander passen.

"Die Ursachen für diese Entwicklung der letzten Jahre sind nicht ganz klar, aber ein Zusammenhang mit dem Pucken ist sehr wahrscheinlich", so Seidl. Die Medizinerin kennt solche Fälle auch aus der eigenen Praxis: "Das geht bis hin zum Ausrenken des Gelenkes", betont sie. "Das Kind war beim Ultraschall nach der Geburt unauffällig. Zunächst konnte sich keiner erklären, warum es plötzlich diese Hüftreifungsstörung gab. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass das Kind gepuckt wurde."

Frühe Diagnose ist wichtig

Eine Gefahr für eine Hüftdysplasie besteht laut den Experten vor allem, wenn zu lange und zu fest gepuckt wird. Problematisch werde es insbesondere dann, wenn die Veränderungen erst nach der dritten Vorsorgeuntersuchung auftreten.

Bei der sogenannten "U3" in der vierten bis fünften Lebenswoche untersuchen Kinderärzte routinemäßig die Hüften der Babys per Ultraschall und können eventuelle Schäden noch entdecken. Eine frühe Diagnose sei für die Behandlung der Hüftdysplasie von besonderer Bedeutung, schließen die Mediziner. (The Medical Journal of Australia, 2016; doi: 10.5694/mja15.01082)

(Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, 06.06.2016 - DAL)

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