Jeder zweite Deutsche hat diese Angewohnheit: Zähneknirschen

Viele Menschen knirschen oder pressen nachts mit den Zähnen und wachen morgens oft mit verkrampftem Kiefer, Nacken und häufig auch mit Kopfschmerzen auf.

 

 

Jeder zweite Deutsche hat diese Angewohnheit zumindest zeitweise im Leben, schätzt die Bundeszahnärztekammer in Berlin. Bei einem Fünftel kommt es Experten zufolge zu einem dauerhaften Aufeinanderpressen oder Reiben der Ober- und Unterkieferzähne mit problematischen Folgen. Mediziner bezeichnen das als Bruxismus.

Beim Knirschen beißt man unbewusst mit den Zähnen hin und her, wobei ein Geräusch entsteht, das etwa so angenehm ist wie jenes, wenn man mit dem Fingernagel über eine Tafel fährt. Andere beißen im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne zusammen, pressen mit der Zunge gegen die Zahnreihen oder saugen ihre Wangen ein und beißen auf den Innenseiten herum.

 

Wer die Zähne aufeinanderpresst, kann sie zerbröseln

 

All das hinterlässt auf Dauer Spuren: "Die Zähne werden kürzer, es gibt kein Fissurenrelief mehr, die oberste Schicht wird auf Dauer weggerieben", erklärt Thomas Wolf vom Bundesvorstand des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte in Bonn. Wenn die oberste Schicht weggeschmirgelt ist, liegt das Dentin frei. Darin sind Nervenweiterleitungen, sodass die Zähne immer empfindlicher werden. "Je mehr man knirscht oder presst, desto mehr nähert man sich dem Nerv", ergänzt Wolf. Im schlimmsten Fall kann sich der Kieferknochen verändern, die Zähne können sich lockern – und ausfallen. Wer die Zähne aufeinanderpresst, kann sie zerbröseln. Denn sowohl Knirschen als auch Pressen geschieht mit unglaublichem Druck, wodurch die Muskulatur im Gesicht – vor allem im Kiefer – aber auch im Nacken, in der Schulter bis weiter den Rücken hinunter verhärtet. Beim Knirschen wirken Kräfte von 300 bis 400 Kilogramm pro Quadratzentimeter auf die Zähne.

Oft hat das Knirschen aber mit den Lebensumständen zu tun

 

Es kommt oft zu Kopfschmerzen

 

"Der Kiefermuskel ist einer der stärksten Muskeln im Körper", erklärt Dagmar Schlaubitz vom Deutschen Verband für Physiotherapie. Sie hat sich auf die Behandlung von Zähneknirschern und -pressern spezialisiert. Durch die verhärteten Muskeln kommt es oft zu Kopfschmerzen, zu Tinnitus und Sichtfeldeinschränkungen. Nicht zuletzt bekommen Betroffene den Mund nur mit Schmerzen und Knacken weiter geöffnet, das Kiefergelenk wird geschädigt. Die Ursache kann eine Zahn- oder Kieferfehlstellung sein, etwa wenn das Kiefergelenk nicht richtig steht, so Wolf. "Auch kann ein ungleiches Verhältnis der Muskeln und Bänder vorliegen, zum Beispiel, wenn man immer nur auf einer Seite kaut." Oft hat das Knirschen aber mit den Lebensumständen zu tun. Eine hohe Belastung im Job, Ärger in der Beziehung und Anspannung kann man tagsüber kontrollieren – nachts aber toben die Belastungen sich aus.

 

Um die Zähne zu schützen, lässt der Zahnarzt eine Aufbissschiene anfertigen. "Es gibt auch spezielle Schienen, die die Schiefstellung vom Kiefergelenk korrigieren oder es besser positionieren", erklärt Wolf. "Die Schienen sollten aller halben Jahre überprüft werden."

Akuten Schmerzen zu lindern

 

Akuten Schmerzen zu lindern

 

Um die akuten Schmerzen zu lindern, verschreibt der Arzt meist Physiotherapie. "Gut geeignet ist manuelle Therapie", erklärt Schlaubitz. "Es geht zunächst darum, die Spannung herauszuholen und den Muskel zu lockern." Doch die Ursache ist damit nicht behoben. Jeder Zähneknirscher oder -presser braucht auf Dauer Möglichkeiten zum Abschalten und Loslassen. Außerdem sollte man seine Wahrnehmung schärfen und beobachten, wann auch tagsüber die Zähne aufeinanderliegen. Denn eigentlich haben Zähne nur beim Essen miteinander Kontakt, im entspannten Zustand nie. Wolf behandelt seine Patienten mit der Hypnotherapie, also Hypnose. "Es geht darum, zu sehen, wann es mit dem Knirschen losging und was zu der Zeit im Leben passiert ist", so der Zahnarzt. Vielen hilft auch der Austausch mit einem Psychotherapeuten.

 

 

 

 

 

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