Bandscheibenvorfall: Mikrodiskektomie lindert Ischialgie bei radikulärem Lumbalsyndrom

London/Ontario − Eine Mikrodiskektomie, die heute bevorzugte Operation beim radikulären Lumbalsyndrom, hat in einer randomisierten Studie an Patienten mit chronischer bandscheibenbedingter Ischialgie bessere Ergebnisse erzielt als eine konservative Behandlung. Dies geht aus der jetzt im New England Journal of Medicine (2020; 382: 1093-1102) publizierten Studie einer kanadischen Klinik hervor.

Die meisten Patienten mit einer bandscheibenbedingten Ischialgie erholen sich auch ohne Operation in den ersten Monaten von ihren Beschwerden. Den Patienten wird deshalb heute in der Regel zunächst zu einer konservativen Behandlung geraten. Wenn die Beschwerden sich nach mehreren Monaten nicht bessern, raten die Orthopäden meist zu einer Operation. Ihr Nutzen wurde jedoch bisher nicht in einer randomisierten kontrollierten Studie belegt.

Am London Spine Centre in der gleichnamigen Stadt der kanadischen Provinz wurden in den letzten Jahren 128 Patienten, bei denen es nach 4 bis 12 Monaten nicht zu einer Besserung der Schmerzen gekommen war, auf eine Operation oder auf eine konservative Behandlung randomisiert. Die konservative Behandlung bestand aus einer Schulung mit der Aufforderung zu mehr Bewegung unterstützt durch eine aktive Physiotherapie. Die Patienten erhielten orale Schmerzmittel und falls gewünscht epidurale Steroid­injektionen.

Bei den Patienten bestand die typische Schmerzsymptomatik in den Dermatomen L5 und S1, und in der Magnetresonanztomografie war eine posterolaterale Herniation der Bandscheibe erkennbar, die die Beschwerden plausibel erklärte.

Primärer Endpunkt der Studie war eine Linderung der Ischiasschmerzen, die die Patienten auf einer visuellen Analogskala (VAS) von 0 bis 10 Punkten zu Beginn der Studie, nach 1,5 Monaten sowie nach 3, 6 und 12 Monaten bewerteten.