Rückenmark­stimulation und Reha bringen Querschnitt­gelähmte wieder auf die Beine

Rochester/Minnesota und Louisville/Kentucky – Die Implantation eines Rücken­markstimulators hat zusammen mit einer gezielten Physiotherapie mehreren Querschnitt­gelähmten ermöglicht, wieder auf den eigenen Beinen zu stehen und, wenn auch nur mit Gehhilfen und Unterstützung von Therapeuten, eine kurze Strecke zu gehen. 2 US-Forscherteams berichten darüber unabhängig voneinander in Nature Medicine (2018; doi: 10.1038/s41591-018-0175-7). Eine Voraussetzung für den Therapieerfolg scheinen neuronale Restverbindungen zum Gehirn zu sein.

Bei Patienten mit Querschnittlähmung bleiben die Reflexe, die auf Höhe des Rückenmarks verschaltet sind, erhalten. Mithilfe eines epiduralen Rückenmark­stimulators können durch elektrische Impulse bestimmte Bewegungsmuster ausgelöst werden, die bei Tieren eine Bewegung (auf 4 Beinen mit Unterstützung der nicht gelähmten Vorderbeine) ermöglichen.

Wenn einige Nervenfasern die Querschnittläsion überstanden haben, könnte die Rückenmark-Neurostimulation sogar willkürliche Bewegungen ermöglichen. Diese Möglichkeit hat ein Team um Kendall Lee und Kristin Zhao von der Mayo Clinic in Rochester bei einem heute 29-jährigen Mann erkundet.

Der Mann hatte im Alter von 26 Jahren infolge einer traumatischen Fraktur mit Dislokation des 8. thorakalen Wirbels (Th 8) eine Querschnittlähmung erlitten, die zunächst als komplett eingestuft wurde. Nachdem bei einer Rehabehandlung entdeckt wurde, dass vermutlich doch einige Nervenfasern unverletzt geblieben waren, wurde dem Patienten in einer Operation ein Neurostimulator epidural, das heißt, direkt über dem Rückenmark implantiert. Er bestand aus 16 Elektroden, die in der lumbosakralen Region (T11-L1) das Rückenmark elektrisch stimulieren sollten. Die Impulse wurden mit einem Generator erzeugt, der dem Patienten unter die Bauchhaut implantiert worden war.

Danach unterzog sich der Patient einem 43-wöchigen multimodalen Training. Dabei sollte er versuchen, mit den wenigen verbliebenen Verbindungen des Rückenmarks die Impulse des Rückenmarkstimulators zu nutzen, um sinnvolle Bewegungen der unteren Extremitäten zu erzeugen. Dies scheint ihm recht schnell gelungen zu sein.

Querschnittlähmung: Elekt